Drei Generationen mit einer ungewöhnlichen Verbindung – Bewohnerin Hannelore Bohle, Malia und Pflegedienstleitung Kezban Wenzke.Aylin Öztekin
Zwischen der Seniorin und dem Baby liegen rund 100 Jahre Altersunterschied und doch verbindet die beiden eine ganz besondere Nähe.
Die Geschichte von Malia, ihrer Mutter Kezban Wenzke und den Menschen im Caritas-Zentrum zeigt eindrucksvoll, wie lebendig die diesjährige Caritas-Jahreskampagne "Zusammen geht was - Caritas verbindet Generationen" sein kann.
Denn genau darum geht es: um Zusammenhalt, kreative Lösungen und darum, Menschen unterschiedlicher Generationen miteinander in Verbindung und Beziehung zu bringen.
Seit rund 17 Jahren lebt Hannelore Bohle im Caritas-Zentrum Franz von Assisi. "Und ich fühle mich hier sehr wohl", sagt 100jährige lachend. Eigene Kinder hat sie nicht, doch junge Menschen lagen ihr immer am Herzen. Seit vielen Jahren strickt und häkelt sie Kleidung für Kinder, die sie dem Caritas-Kinderland spendet. Dass nun regelmäßig ein Baby Teil ihres Alltags geworden ist, empfindet sie als große Freude und Bereicherung.
Malia begleitet ihre Mutter Kezban Wenzke regelmäßig zur Arbeit - ein Modell, das heute noch alles andere als selbstverständlich ist. Für die Pflegedienstleitung bedeutet es vor allem eines: die Möglichkeit, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.
Begonnen hat alles mit einer unerwarteten Wendung im Leben von Kezban Wenzke: Im Januar 2024 startete sie im Caritas-Zentrum Franz von Assisi, wenige Monate später übernahm sie dort die Stelle der Pflegedienstleitung. Die neue Aufgabe bedeutete Verantwortung, Herausforderung und Perspektive und Kezban Wenzke freute sich darauf. "Und dann passierte das Leben", sagt sie rückblickend. Sie erhielt die Nachricht von der Schwangerschaft.
Für viele berufstätige Eltern und besonders Frauen ist genau dieser Moment mit Sorgen verbunden: Wie lässt sich ein anspruchsvoller Beruf mit einem kleinen Kind vereinbaren? Muss man sich entscheiden? Berufliche Verantwortung, neue Aufgaben und gleichzeitig die Betreuung eines Babys - oft scheint all das kaum miteinander vereinbar. Beim Caritasverband Herten wurde aus der Herausforderung eine gemeinsame Aufgabe.
"Ich bin sehr dankbar, dass ich mit der Caritas einen Arbeitgeber habe, mit dem ich ganz offen reden konnte", erzählt Kezban Wenzke. Statt starrer Regeln standen Gespräche und Lösungen im Mittelpunkt. Kolleginnen und Kollegen sicherten sofort ihre Unterstützung zu. Auch Vorstand Markus Lerche und Fachbereichsleiter Marcus Willig stärkten ihr den Rücken.
Die Dienstbesprechung von Pflegedienstleitung Kezban Wenzke, Einrichtungsleitung Anna Lange und Qualitätsbeauftragte Andrea Aschbauer verfolgt Malia aufmerksam vom Laufstall aus.Aylin Öztekin
"Die Lösung haben wir gemeinsam erarbeitet", sagt Markus Lerche. "Auch wenn das nicht in jedem Bereich in dieser Form möglich ist, sind wir froh, dass wir die Stelle nicht ausschreiben mussten." Für ihn zeigt die Situation vor allem eines: Gute Lösungen entstehen dort, wo Menschen bereit sind, miteinander neue Wege zu gehen. "Eine moderne Arbeitswelt braucht kreative Wege - und vor allem Vertrauen."
Ein entscheidender Baustein war die Unterstützung im Team. Olessja Rempel, stellvertretende Pflegedienstleitung, übernahm während der Abwesenheit kommissarisch die Leitungsfunktion. Auch die Mitarbeitenden ihres Wohnbereiches trugen die zusätzliche Verantwortung mit. Es entstand ein Miteinander, das zeigt, wie sehr gute Pflege auch von guter Teamkultur lebt. Einrichtungsleitung Anna Lange gestaltete für Malia einen Body mit der Aufschrift "Caritas Baby", Bewohnerin Hildegard Gruber häkelte eine Babydecke und Malia selbst machte sich mit ihrem Charme schnell zum Teil der Gemeinschaft. Anfangs schlief sie meist friedlich in ihrer fahrbaren Wiege, inzwischen verfolgt sie aus ihrem Laufstall heraus aufmerksam Besprechungen und Gespräche. Fast wirkt es, als würde sich im Caritas-Zentrum ein altes Sprichwort bewahrheiten: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.
"Natürlich hatte ich anfangs Sorge, ob wir das alles so hinbekommen", sagt Kezban Wenzke offen. Doch inzwischen zeigt sich: Das Modell funktioniert - weil viele Menschen es mittragen. Gegen Mittag holt Malias Vater die Kleine ab, die Eltern teilen sich die Betreuung partnerschaftlich und ab August wird Malia zusätzlich eine Kita besuchen.
Die Geschichte aus dem Caritas-Zentrum Franz von Assisi macht deutlich, was die Jahreskampagne "Zusammen geht was" eigentlich bedeutet. Generationen begegnen sich hier nicht nur im selben Gebäude - sie unterstützen, bereichern und stärken sich gegenseitig. Aus Kolleginnen und Kollegen wird ein Netzwerk, aus Bewohnerinnen und Bewohnern ein Teil des Familienalltags.
Vielleicht steckt darin auch eine wichtige Botschaft für die Arbeitswelt insgesamt: Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt nicht allein durch Konzepte auf dem Papier. Sie gelingt dort, wo Menschen offen miteinander sprechen, Verantwortung teilen und bereit sind, neue Wege auszuprobieren. Oder, wie Kezban Wenzke es selbst beschreibt: "Manchmal muss man einfach machen."
Im Caritas-Zentrum Franz von Assisi hat genau das dazu geführt, dass aus einer Herausforderung eine Geschichte geworden ist, die Generationen verbindet und die zeigt, was möglich wird, wenn Menschen zusammenhalten. Wer weiß: Vielleicht erinnert sich Malia später nicht bewusst an ihre ersten Monate bei der Caritas - doch die Wärme, Offenheit und Menschlichkeit, mit der sie dort aufgenommen wurde, könnten der Anfang einer langen Verbindung sein.